Unser Land ist doch ein „christliches Land“. Wie können wir dafür sorgen, dass es ein christliches Land bleibt? Und sollen wir nicht vor allem den Christen unter den Flüchtlingen helfen?

Einige argumentieren, dass ihr Land ja christlich sei. Deswegen könne und solle es nicht zu vielen Nichtchristen erlauben, sich da anzusiedeln. Ein Grossteil Europas ist tatsächlich tiefgreifend von der Bibel und vom Einfluss des Christentums geprägt worden. Aber das heisst nicht, dass alle Bewohner einen lebendigen christlichen Glauben gehabt hätten oder dass sie den Glauben nach den Geboten von Christus gelebt hätten. Und zunehmend sind unsere europäischen Länder pluralistisch mit vielen verschiedenen Weltanschauungen und Glaubensrichtungen.

Wenn wir entsprechend unserem christlichen Erbe leben wollen,  sollen wir auch nach den Geboten der Bibel verletzliche Fremde willkommen heissen und ihnen helfen. Nach dieser ersten Aufnahme müssen wir die Herausforderung annehmen, Menschen mit anderem Glauben und anderer Kultur in der Integration zu helfen. Während unsere Regierungen und Behörden vor dieser Herausforderung stehen, können auch Christen die Diskussion über Voraussetzungen der Integration mitgestalten. Dies bietet die Gelegenheit, die Werte und Kultur unseres Landes zu definieren. Wie können wir die Gelegenheit nutzen, um eine biblisch geprägte Vision für unsere Gesellschaft zu formulieren? Eine Vision, die das Wohlergehen aller sucht, geprägt von Gewissensfreiheit für alle, unabhängig von ihrem Glauben?

Könnten wir nicht einfach nur  den christlichen Flüchtlingen helfen?
Nein. Die meisten Gemeindeleiter in Syrien bestehen darauf, dass Christen keine Spezialbehandlung erhalten sollen. Jemandem den Flüchtlingsstatus zu geben oder Asyl zu gewähren, muss auf der Grundlage von Verletzlichkeit und Bedürfnis geschehen. Dies anders zu machen, verletzt nicht nur internationales Flüchtlings- und humanitäres Völkerrecht, sondern auch die Lehre von Jesus. Ein Beispiel: Der Gute Samariter schaute über religiöse und ethnische Bezeichnungen hinweg, um einem Fremden in Not echte Nächstenliebe zu zeigen.

Gibt es nicht gerade unter den Christen einige, die zu den besonders verletzlichen Personen gehören? Bestimmt – heissen wir sie willkommen! Und gibt es nicht berechtigte Sicherheitsbedenken bezüglich einiger Flüchtlinge?

Natürlich – darum müssen auch angemessene Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden. Dennoch müssen wir Flüchtlinge aufgrund ihrer Bedürfnisse aufnehmen, nicht aufgrund ihrer Religion. Und diejenigen, die wir für ein Sicherheitsrisiko halten, müssen wir aufgrund handfester Beweise ausschliessen, nicht aufgrund ihrer Religion.

Christen aus gewissen Regionen sind unter den am meisten gefährdeten Menschen. Abscheuliche Gräueltaten gegen Christen und andere religiöse Minderheiten sind verübt worden, besonders durch Daesh („Islamischer Staat“). Christliche Flüchtlinge aus von Extremisten kontrollierten Gegenden, haben gute Gründe für Asyl. Aber eine ausgewogene Einschätzung berücksichtigt zwei wichtige Faktoren:

Erstens sind viele Christen nicht aus von Daesh überrannten Gegenden geflohen, und waren nicht aufgrund ihrer Religion direkt bedroht. Natürlich haben viele Angst vor den Extremisten und besonders vor einer islamistischen Machtergreifung, sollte die jetzige syrische Regierung gestürzt werden. Die Bedrohung ist aber vor allem wegen ihrer vermeintlichen politischen Zugehörigkeit (es wird angenommen, dass Christen das Regime unterstützen) als wegen ihrer Religion. Eine derartige  Bedrohung spüren auch andere Gruppierungen.

Zweitens sind nicht nur Christen aus von Extremisten kontrollierten Gegenden geflüchtet. Die Mehrheit der Flüchtlinge aus diesen Gegenden sind Muslime, deren Werte und Lebensweisen sich von den Extremisten unterscheiden. Auch sie sind geflüchtet, weil sie an Leib und Leben bedroht sind.

Die Gefahr wegen einiger, die sich mit kriminellen oder terroristischen Absichten unter die Flüchtlinge mischen, muss ernst genommen werden. Dennoch wäre es falsch, alle Nicht-Christen, die ja vor der Gewalt vor Extremisten geflohen sind, zu verdächtigen. Vielmehr müssen wir auch ihre Verletzlichkeit anerkennen und sie schützen. .

Im Westen Asyl zu gewähren begegnet der unmittelbaren Not. Die Aufnahme stellt und jedoch (auch bei christlichen Flüchtlingen) vor die Herausforderung einer guten Integration. Was ist mit den längerfristigen Perspektiven? Was mit der Zukunft der Kirche in ihren Heimatländern? Gemeindeleiter im Nahen Osten sind besorgt, weil so viele aus ihren Gemeinden fliehen; auch wenn sie die Verzweiflung derjenigen, die fliehen wollen, verstehen.

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Angst?

Hab keine Angst!

Ja, die vielen Berichte über Krieg, Terror und Flüchtlingsströme können uns überfordern. Fremde, die ich nicht kenne, wirken manchmal bedrohlich. Mach etwas dagegen und lerne sie kennen, damit weder du noch sie weiter Angst haben müssen. Und vor allem: Bete für Flüchtlinge und für ihre Integration in der Schweiz.