Was ist in dieser Flüchtlingskrise der Unterschied zwischen der Verantwortung der Regierung und unserer Verantwortung als Kirchen?

Die biblische Rolle der Regierung ist zusammengefasst: den Frieden und die Gerechtigkeit sichern und eine Gesellschaft gewährleisten, in der die Schwachen beschützt sind und sich entfalten können. Natürlich geben uns diese Grundlinien nicht alle Details, z.b. wie man den Verletzlichen am besten helfen kann. Hier beeinflussen Politik und Umstände die Situation. Auch die Verantwortung der Regierung auf lokaler und nationaler Ebene oder sogar die EU und UNO spielen hier eine Rolle.

Kirchen haben auch Verantwortung. Die Gemeinde vor Ort und nach internationalen Qualitätskriterien arbeitende christliche Hilfs- und Entwicklungsorganisationen ergänzen sich in ihrer Verschiedenheit.

Kirchen sollten für die Politikerinnen und Politiker beten, sie dazu auffordern, das Richtige zu tun. Tun sie es nicht, sollten wir uns für Gerechtigkeit und Fairness stark machen. Wir sollten für unsere Nachbarn, die Angst haben, beten und auch für die Flüchtlinge. Aber wir haben auch andere Aufgaben von Gott.

Kirchen sind dazu berufen, die Gefährdeten zu lieben und ihren Bedürfnissen ganzheitlich zu begegnen. Dies beinhaltet, sich um körperliche, emotionale und geistliche Bedürfnisse zu kümmern, ohne Glaubensrichtungen oder andere Kriterien zu beachten. Es ist völlig angemessen, wenn Gemeindemitglieder über den Glauben sprechen, wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Nur sollte dies respektvoll und einfühlsam geschehen, ohne dass sich die Flüchtlinge in irgendeiner Weise unter Druck gesetzt fühlen. Während Europäer in Gesprächen über den Glauben eher zurückhaltend sind, ist es in der Kultur des Nahen Ostens ganz normal, über Religion zu reden. Viele Flüchtlinge freuen sich über Gelegenheiten, sich über geistliche Dinge zu unterhalten. Die Kirche hat einen spezifischen biblischen Auftrag, die Gute Nachricht weiterzugeben, so dass alle durch Jesus Christus eine Beziehung zu Gott beginnen können, egal welchen Glaubenshintergrund sie haben. Natürlich sollte nie die tragische Lage oder die Verletzbarkeit der Leute ausgenutzt werden, damit es Bekehrungen gibt. Wir sollten uns um alle Bedürfnisse der Flüchtlinge kümmern. (siehe dazu auch den Verhaltenskodex für Mitarbeitende unter Flüchtlingen)

Die Politik muss Ordnung im Chaos schaffen, um faire, sichere und menschenwürdige Systeme sicherzustellen, die alle Bedürfnisse und den Hintergrund der Flüchtlinge beurteilen. Politik und Verwaltung werden entscheiden, wer durch das Land reisen, temporär oder permanent bleiben darf. Es gibt internationale Gesetze, auf die sich diese Entscheide stützen. Flüchtlinge dürfen auf keinen Fall unmenschlich behandelt werden, unbegleitete Minderjährige oder Kranke sollen nicht vernachlässigt werden, und Flüchtlinge sollen nicht als Bedrohung gesehen werden.

Das ist aber nicht so einfach. Wie sollen die Behörden damit umgehen, wenn die Zahlen der Flüchtlinge erdrückend werden und Ressourcen völlig unzureichend sind? Aber es gibt einen riesigen Unterschied zwischen das Beste tun, um zu helfen, und die Menschenmenge nur als ein Problem zu sehen, das es schnellstmöglich loszuwerden gilt.

In der Anfangsphase, wenn viele Flüchtlinge ankommen, helfen Kirchen, sie zu ernähren, sammeln Kleider, und zeigen einfach Barmherzigkeit zu den Flüchtlingen. Wir sollten auch den Mund aufmachen, wenn wir ungerechte und unzulängliche Behandlung der Neuankömmlinge feststellen. Wenn klar wird, wo sich Flüchtlinge niederlassen, kann sich unsere Rolle verändern. Der Staat wird das Beste tun, um einfaches Wohnen, Bildung, medizinische Versorgung und Arbeitsgelegenheiten zu bieten. Vielerorts, besonders in weniger wohlhabenden Gegenden, sind dies und viel anderes Sachen, die die Kirchen im Namen von Christus tun können. Können Kirchen beispielsweise Unterkunftsmöglichkeiten oder Sprachkurse und Unterstützung beim Erlernen der Sprache anbieten? Oder können sie den Flüchtlingen Formulare oder das Gesundheitssystem erklären? Ihnen helfen, sich im Supermarkt zurechtzufinden, oder die Grundlagen unserer Kultur zu verstehen? Gibt es Seelsorger und Beraterinnen die ihnen helfen können, die erlittenen Traumata zu bewältigen? Können Kirchenmitglieder Freundschaften mit ihnen schliessen und sich sogar vornehmen, das Leben auch auf längere Sicht mit Flüchtlingen zu teilen?  Können Kirchen Hoffnung anbieten? Und  sie müssen weiterfahren zu beten.

Die Regierung wird organisieren und versorgen. Die Aufgabe der Kirche ist es, bedingungslos zu lieben und zu dienen, im Namen von Christus, den wir lieben und dem wir dienen, mit unserem Kopf, unseren Herzen und Händen.

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Angst?

Hab keine Angst!

Ja, die vielen Berichte über Krieg, Terror und Flüchtlingsströme können uns überfordern. Fremde, die ich nicht kenne, wirken manchmal bedrohlich. Mach etwas dagegen und lerne sie kennen, damit weder du noch sie weiter Angst haben müssen. Und vor allem: Bete für Flüchtlinge und für ihre Integration in der Schweiz.