Wir wollen helfen, aber was passiert in ein paar Monaten, wenn wir erschöpft sind?

Anderen zu helfen, kann einen viel kosten. Als Christen sind wir dazu berufen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Matthäus 19,19). Das scheint sehr aufwändig zu sein. Wir interpretieren diese Stelle nämlich oft so, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse für die anderen opfern sollen. Aber was ist mit dem zweiten Teil, wo es heisst „lieben wie dich selbst“? Das bedeutet ja, dass wir uns auch lieben müssen. Wenn wir mit dem Flugzeug reisen, führen die FlugbegleiterInnen die Sicherheitsrichtlinien vor, welche folgende Anweisung beinhalten: Wenn der Sauerstoff abfällt, werden Sauerstoffmasken herunterfallen. Die Passagiere sollten immer zuerst ihre eigenen Masken aufsetzen, bevor sie anderen helfen, die Unterstützung benötigen. Das Prinzip ist gut: Um dich um anderen kümmern zu können, musst du dich um dich selbst kümmern.

Selbstfürsorge

Was sagt die Bibel über Selbstfürsorge?

  • Das Beispiel von Jesus. Mehr als einmal zog sich Jesus an einen ruhigen Ort zurück, nachdem er vielen Menschen gedient hatte. Er wusste, dass er seine Batterien aufladen muss, geistlich, körperlich und emotional (Markus 6,1; 9,30; Johannes 6,18).
  • Der Dienst Gottes. Der Gott der Barmherzigkeit, der uns tröstet (2. Korinther 1,3-4). Die Geschichte von Elia (1. Könige 19).
  • Der Heilige Geist. Wir werden erinnert, dass unsere Körper der Tempel des Heiligen Geistes sind. Darum ist es unsere Pflicht, sich um uns zu kümmern (1. Korinther 3,17).

Wir müssen um unsere Identität in Christus wissen und uns darauf verlassen. Oft denken wir, wir müssten etwas erreichen, um Gott zu gefallen. Epheser 1,12 sagt, wir sollen „für den Ruhm seiner Herrlichkeit SEIN“, nicht „tun“. Gesund im Dienst bleiben und einen Dienst langfristig unterhalten fängt damit an, dass wir das richtige Gespür für unsere Identität in Christus haben, und dass wir uns um unsere eigenen Bedürfnisse kümmern.

Um uns, einander, und den Flüchtlingen zu helfen, müssen wir ein paar Dinge verstehen.

Was ist Stress?

Stress/Beanspruchung ist eine Kraft oder ein Druck. Es bringt Metall dazu, sich zu krümmen, oder verändert die Form von Materialien. In Menschen ist das eine natürliche Reaktion auf neue Situationen. Er bringt uns dazu, auf Druck zu reagieren, uns anzupassen, Problemen zu begegnen. Er lehrt uns, mit herausfordernden Umständen umzugehen und gleichzeitig wirkungsvoll zu bleiben. Guter Stress ist nützlich – er hilft uns, am Morgen aufzustehen.

Akuter Stress, wenn wir zu viele Forderungen, zu viele stressreiche Erfahrungen durchmachen, kann zu zerstörerischen Symptomen führen, Depression, Erschöpfung und Burnout. Überbelastung wird vielleicht nur stückweise wahrgenommen, aber ist voraussagbar.

Warum werden wir gestresst, wenn wir Flüchtlingen helfen?

  • Wir sind überwältigt von der grossen Anzahl und dem Mangel von sofortigen Lösungen.
  • Es gibt ungenügend finanzielle Ressourcen.
  • Wir hören zu viele Geschichten von Gräueltaten, Gewalt und Trauma. Wir nehmen sie uns zu Herzen und sind am Schluss selbst traumatisiert.
  • Wir erschöpfen unsere Ressourcen, indem wir ständig verfügbar sind, um Bedürfnisse zu decken. Wir denken, dass wir unverzichtbar sind.
  • Wir versuchen, zu viele Rollen einzunehmen: Tagsüber arbeiten, abends Freiwilligendienst leisten.
  • Wir verlieren unsere Perspektive, einen Sinn für Ausgleich und für die Verbindung zu Menschen und manchmal auch zu Gott.

Wie erkennen wir Stress?

  • Bevor wir uns in stressreiche Situationen begeben, ist es hilfreich, unsere normalen Stresssymptome zu kennen – körperlich (z.B. Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit), emotional (häufiges Weinen, Reizbarkeit, Wut) und im Verhalten (z.B. Zurückziehen, Abhängigkeiten, Unfähigkeit, Entscheide zu fällen)
  • Rede mit jemandem, dem oder der du vertraust, gerade wenn du dich unter Druck gesetzt fühlst. Sie werden dir Rückmeldung auf dein Verhalten geben.

Was können wir tun, um Stress vorzubeugen?

Gib gut auf dich acht, gerade körperlich – gesund essen, schlafen, Bewegung. Schaffe Gelegenheiten für Bewegung, wenn die körperliche Belastung streng ist.

  • Rede mit Menschen, baue ein Netzwerk von unterstützenden Beziehungen
  • Setze Grenzen – lerne, „nein“ zu sagen
  • Lass dich schulen in dem, was dich in der Arbeit erwartet

Was ist Barmherzigkeits-Erschöpfung?

Es sind die aufwühlenden und stressreichen Verhaltensmuster und Emotionen, die von Helfern von Opfern erlebt werden. Sie kommen daher, dass man den erzählten Details von traumatischen Erfahrungen ausgesetzt wurde. Sie führen zu Ermüdung, Schlappheit und einigen Zeichen, die Opfer von Traumata selbst erleben.

Wie können Pastorinnen und Pastoren oder Organisationen helfen?

  • Schulung von Freiwilligen in Selbstfürsorge und in Sorge für Flüchtlinge
  • Kontrolle der Einsatzpläne – auf Auszeiten beharren, und solche selbst vorleben
  • Training von Teams im Zuhören, und Ermutigung, dass sie einander zuhören
  • Sie regelmässig an ihre Identität in Christus erinnern
  • Ermutigung, Beziehungen ausserhalb der Arbeit zu pflegen
  • Persönliche Weiterbildung in Personalbetreuung und Fachkenntnissen wie Nachbesprechung von schwierigen Vorfällen

„Wir sind noch nicht gestresst. Aber wir sorgen uns, dass wir zu tief in den Dienst an Flüchtlingen geraten und so in Schwierigkeiten geraten können“

Die Tatsache, dass du die Gefahr erkannt hast, bildet eine gute Grundlage um sicherzustellen, dass dies nicht passiert. Entscheide dich mit Bedacht und im Gebet, für was du dich verpflichtest, und was du nicht tun kannst. Der Bedarf mag riesig sein, aber lege dies Gott hin, denn du kannst nicht allen helfen. Er sieht jeden einzelnen Menschen und ist verantwortlich für jeden einzelnen. Wir sind es nicht. Wenn du zusätzlich zu deinen normalen Verpflichtungen Flüchtlingen hilfst, ist deine Zeit zwangsläufig limitiert. Achte darauf, dass du durch deine Verpflichtungen, in die du andere involvierst, andere nicht überbelastest (zum Beispiel deine Gemeindemitglieder oder deine Familie).

Habe nie das Gefühl, dass der Beitrag, den du leisten kannst, zu klein sei. Der Herr hat gute Werke für dich vorbereitet (Epheser 2,10). Mach nicht das, was er anderen zu tun aufgibt.

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Angst?

Hab keine Angst!

Ja, die vielen Berichte über Krieg, Terror und Flüchtlingsströme können uns überfordern. Fremde, die ich nicht kenne, wirken manchmal bedrohlich. Mach etwas dagegen und lerne sie kennen, damit weder du noch sie weiter Angst haben müssen. Und vor allem: Bete für Flüchtlinge und für ihre Integration in der Schweiz.